Lassen wir das Web doch einfach zu – auch mit Fotos, auch auf Facebook

Der Teufel steckt oft im Detail, auch in sozialen Medien. Ich meine, welche Dinge sind schon so wie sie scheinen? Haben Sie schon mal Twitter-Follower getroffen, deren Reputation zwar ruhmreich scheint, doch deren Fähigkeit, das Profilbild zu bearbeiten weit darüber liegen? Haben Sie schon mal Bilder auf Facebook entfernt – im sicheren Glauben, diese gelöscht zu haben? – Na also.

Alles, was wir online tun, bleibt irgendwo stehen, liegen, gespeichert. Das kann Vorteile haben, auf Dauer sogar enorme. Auf diese Weise können Sie die Reputation Ihres Arbeitgebers untermauern. Oder den Laden um die Ecke, der vor der Schließung steht, tatkräftig unterstützen, indem Sie sich beim Einkauf auf Foursquare dort einloggen und dies mit anderen Usern aus der Gegend teilen. So gelingt es bisweilen Schauspielern, sich zu digitalem Ruhm empor zu twittern und an begehrte Rollen zu gelangen. Ashton Kutcher hat über 9 Millionen Follower (plus 11 Millionen auf Facebook) – und gelangte nach längerer Phase ohne Engagement an die Hauptrolle in „2 and A Half Men„.

Das Erzeugen jeglicher Informationen ist hilfreich, nicht nur für uns Nutzer, sondern auch für soziale Netzwerke, die damit andere Geschäftsziele verfolgen, zum Beispiel Geld zu verdienen. Inzwischen gibt es gesponserte Tweets, Werbung in YouTube-Videos. Google Adwords und Facebook. Machen wir uns nichts vor: Natürlich existieren eine Menge Datenschutzbestimmungen pro Verbraucher, immer wieder erneuert, so zuletzt von Google angekündigt. Doch die sozialen Netzwerke möchten auch Umsatz machen. Welches Interesse sollten sie daher haben, dem Nutzer die Steigbügel zu halten, bevor er beim letzten digitalen Sonnenstrahl in die analoge Finsternis reitet?

An dieser Stelle möchte ich keineswegs die Spirale der Datenschutz-Diskussionen weiterdrehen. Die Sache ist verzwickt genug und beinahe jedes Argument der Privacy-Befürworter ruft ein Gegenargument auf den Plan, und manchmal sogar ganz ohne Anklang der Sicherung von Arbeitsplätzen oder Existenzen. Die Nutzung des Web steht jedem frei und es ist im Grunde nichts Negatives dabei. Das gilt auch für  das Hochladen von Fotos in Facebook nebst späterem Löschen. Jetzt hat zu diesem Thema Jacqui Cheng im ars Technica Blog einige sehr lesenswerte Details zusammengetragen:

Facebook is still working on deleting photos from its servers in a timely manner nearly three years after Ars first brought attention to the topic. The company admitted on Friday that its older systems for storing uploaded content „did not always delete images from content delivery networks in a reasonable period of time even though they were immediately removed from the site,“ but said it’s currently finishing up a newer system that makes the process much quicker. In the meantime, photos that users thought they „deleted“ from the social network months or even years ago remain accessible via direct link.

Gut, dass es bis zu drei (3) Jahren dauern kann, um ein paar Fotos von irgendwelchen Server-Parks zu entfernen. hätten wir ahnen können. Wir, die Nutzer, sind ja nicht doof. Zumindest inzwischen nicht mehr. Wir sind es ja nicht, die irgendwelche Handyfotos posten, nicht die nächstbesten State-of-the-art Games spielen, brandneue Anwendungen nutzen oder Meinungen twittern, die sich irgendwann als Bumerang erweisen. Oder doch? Sind das nicht die optischen Girlanden, um schöne soziale Interaktionen authentisch zu beleben?

Ich meine: Auf der Suche nach dem wirklich Interessanten im Web braucht es das emotionale, das verbindende, das erzählende Element. Sonst würde das ganze System schnell an lebendigem Reiz verlieren. Lassen wir es zu. Sonst macht das Web irgendwann keinen Spaß mehr. Womöglich würden wir nur noch Botschaften der Werbung auf der einen Seite eingetrichtern bekommen und Argumente von Datenschützern und Verteidigern von Netzneutralität auf der anderen Seite lesen. Dabei sind wir das Web. Wir alle, mit unseren Fotos – und weiterhin offenen Augen.

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