Schöne neue Welt des Mobile Payment: Mit Google Wallet zahlen und punkten

Eben an der Supermarkt-Kasse. Natürlich geht es in der anderen Schlange wieder mal schneller voran, wie sollte es auch anders sein. Jetzt sind Sie an der Reihe. Ware auf’s Band, die obligatorischen Piepsgeräusche beim Scannen der Ware. Und nun folgt der Clou, der Sie beim Bezahlen zum fortschrittlichsten Kunden macht: Handy gezückt, App gestartet und mit einem Klick WARE BEZAHLT!

In die Ära von mobile, free und open passt das neue Angebot von Google: Kunden können mit Google Wallet per MasterCard PayPass auf einem Android Smartphone (derzeit Nexus S 4G) eine ganz neue – einfache – Erfahrung beim lästigen Bezahlen machen und gleichzeitig fette Rabatte erhalten. Umgekehrt eröffnen sich für Händler, die nicht auf mühsam erspielte Gratifikationen über Foursquare, Gowalla und Friendticker, direkte Ansprachemomente durch eine proaktive, individualisierte Kommunikation, eben auf dem persönlichen Mobile Phone des Kunden. Emotionales Einkaufserlebnis durch ein Angebot „nur für mich“ plus Senkung psychologischer Barrieren – denn Einkaufen war noch nie so einfach – sind die Aspekte, die eine Mobilisierung im wahrsten Sinn des Wortes erahnen lassen. – Google nennt sein Wallet System übrigens tap-to-pay.

Was unter der Bezeichnung Location Based Shopping in der ersten Phase noch grandios gescheitert war und dank Social Media und Empfehlungskultur auf einmal in aller Munde ist, wird nun ganz einfach operationalisiert. Wie erfolgreich dies gelingt, wird die Zeit und die Bereitschaft des Kunden zeigen. Die ersten Reaktionen auf Google Wallet sind jedenfalls positiv (betrachten wir sie als authentisch, angesichts der gezeigten Euphorie), wie das Video von Google zeigt.

– Quelle: Google Mobile Blog via YouTube

Angesichts der Möglichkeiten, die Google bietet, könnte sich unter deutschen Anbietern wie arvato Bertelsmann, Loyalty Partner und Co. Unbehagen breit machen, trotz und gerade wegen des millionenfachem Nutzer-Vorsprungs. Immerhin sind in den USA nicht nur so namhafte Anbieter wie Foot Locker, GUESS und Toys „R“ Us mit dabei, sondern nutzen auch gleich die Kopplung an das Einlösen von Treueprämien, eine direkte Gewährung von Rabattten und das Sammeln von Gratifikationen und Punkten allein durch Antippen des Smartphones beim Bezahlen.

Das lässt die Apps bekannter Prämienkarten-Anbieter wie DeutschlandCard, Payback und Miles & More (die eher den Charakter einer Reise-App hat) vergleichsweise monodimensional aussehen. Das Bezahlen ist bisher immer noch die Sache des Händlers, an dem die Loyalty-Programme nur indirekt teilhaben, so etwa durch das Einlösen der Prämien-Bons an den Kassen von Aral-Tankstellen, dm-Drogerien oder Edeka-Märkten.

Ein derartiges Self-Service-Angebot dürfte jeder verfluchen, der zur Weihnachtszeit der letzten Saison eine der IKEA-Expresskassen angesteuert hat oder dort hingeschoben wurde. Das der Unsinn nicht funktioniert, zeigt der Aufwand an Überwachung durch Mitarbeiter, in persona und per unmissverständlich montierter Kameras, mittels denen von der Decke über den Selbstbedienungskassen mit kalten Glausaugen herabgezoomt wird.

Was vor einiger Zeit noch als ferne Zukunftsmusik klang, ist auf einmal real, ganz real. Ich erinnere mich noch recht gut an die Präsentation des „Future Store“ (gestartet als Extra), einem Supermarkt der Zukunft, den die Metro Gruppe eingerichtet hat, mit digitalem Einkaufszettel (dafür scannt man zu Hause leere Joghurtbecher oder gleich den ganzen Kühlschrank), interaktiven Sortiment-Infos und Möwengeschrei an der Fischtheke. Und die waghalsige Idee, einfach und ohne Kassierer selbstständig Ware zu erfassen und per Fingerabdruck zu bezahlen. Seit der Kommunikation zum Auftakt ist das nun 8 Jahre her. Accenture, Cisco, IBM, Intel, SAP, T-Systems sind als Partner immer noch dabei, und Model Claudia Schiffer durfte bei der Eröffnung Testimonial spielen – vielleicht auch nur, um zu zeigen, wie einfach Shopping funktionieren kann.

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