99 Köpfe des Social Web: Nicole Bonholt, Online Marketing Manager

Work global, stay local… – Wenn wir diese Prämisse im Zusammenhang mit der Profession unserer heutigen Interviewpartnerin betrachten, heisst es vielmehr: GoLocal. Bei diesem Anbieter von Bewertungscommunities für zahlreiche deutsche Städte ist Nicole Bonholt verantwortlich für das Online Marketing. Zuvor war sie in unter anderem bei Burda Food Partners, united domains und Navigon in gleicher Funktion tätig. Mit anderen Worten: ein Digital Native inmitten des Community-Business. Umso mehr interessiert uns im 99-Köpfe-Interview, worin sie eine vom Nutzer abhängige Zukunft von Social Media sieht.

Wann haben Sie zuletzt etwas handschriftlich verfasst?
Immer wenn ich eine Idee habe, die mir einfällt, für die ich aber in dem Augenblick keine Zeit habe, schreibe ich diese auf einen Post-it-Zettel. Diese sammeln sich dann und wenn der Stapel groß genug ist, werden die Ideen nach sinnvoll und nicht sinnvoll sortiert. 😉 Ansonsten sind sogar meine To-do Listen mittlerweise dank Evernote elektronisch.

Was ist der nächste große Trend im Internet, besonders in sozialen Netzen?
Ich könnte mir vorstellen, dass durch die geplante Integration von Twitter in Apples iOS 5 Twitter einen ordentlichen Aufschwung in Deutschland bekommt. Durch die einfache Nutzbarkeit aus den Anwendungen heraus, wird eine andere Zielgruppe angesprochen, die sonst vielleicht nicht unbedingt Twitter nutzen würde.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Rolle von Social Media im Unternehmen aus?
Social Media ist auf jeden Fall angekommen: Mittlerweile haben auch kleine Unternehmen wie Friseure oder auch Currywurst-Buden Social Media für sich entdeckt. Und gerade bei diesen Kleinen ist die Umsetzung der Aktivitäten zum Teil sehr schön zu beobachten. Größere Unternehmen tun sich dagegen zum Teil viel schwerer: Da ist ein Bewusstsein dafür, dass man an Social Media nicht mehr vorbeikommt. Aber es macht oft den Anschein, dass nicht wirklich nachgedacht wurde, was denn eigentlich die Zielsetzung dieser Aktivitäten ist.

Was braucht es – neben technischen Voraussetzungen – für gute Social Media, die für Marken, Produkte, Unternehmen, Organsationen gegenüber Privatpersonen eingesetzt wird?
In erster Linie gesunden Menschenverstand: Der User will Informationen, die ihn interessieren. Wenn man sich selber in die Sicht des Users versetzt, sollte Social Media nicht so schwer sein, wie es leider manchmal noch den Anschein macht. Und man sollte ein Verständnis dafür entwickeln, dass die herkömmliche Marketing-Kommunikation via Social Media nur bedingt bis gar nicht funktioniert. Social Media ist ein absolutes Pull-Instrument. Gefallen dem User die vermittelten Informationen nicht, ist er im Zweifel genauso schnell weg, wie er gekommen ist.

Was geht besser offline – wovon raten Sie dringend ab, über Angebote und Möglichkeiten im sozialen Netz zu tun?
Spontan fällt mir kein Angebot oder Produkt ein, das nur offline funktioniert. Ich glaube, es ist immer eine Sache der Herangehensweise und der „Verpackung“. Mit anderen Worten: Man muss das Bedürfnis von dem User packen und die Aktivität entsprechend ausrichten. Natürlich sind Themen wie Krankheiten zum Beispiel schwer sozial zu Verpackung, wenn man hier aber die Herangehensweise ändert und zum Beispiel über Gruppen arbeitet und nicht über die Standard-Fanpages bei Facebook, lässt sich sicher auch zu schwierigeren Themen das soziale Netz nutzen.

Wunschvorstellung: Gesetzt, Sie könnten einen Tag lang über die Schulter schauen oder zusammenarbeiten – mit wem? (gleich, ob im Unternehmen oder Freelance)
Thomas Liebau [Senior Search Engine Marketer bei Verivox – d.R.] meiner Meinung nach einer der richtig Guten im Bereich SEO, der vor allem auch zeigt, dass man auch ohne Einsatz von „bösen“ Methoden erfolgreich in den Suchmaschinen vertreten sein kann. Man hört in diesem Bereich leider meist dieselben, bekannten Namen und vergisst schnell, dass es auch noch andere SEOs gibt, die einen richtig guten Job machen.

Ich lese also bin ich: Gibt es zudem ein (Fach-)Buch, was Ihnen zuletzt gut gefallen hat?
Ich lese aktuell „Marketing in the Age of Google“ von Vanessa Fox und bisher gefällt es mir sehr gut. Ansonsten würde ich jedem, der es tatsächlich noch nicht kennt, das Buch „Website Boosting“ von Mario Fischer empfehlen. Meiner Meinung nach ein Grundlagen-Muss.

Wovon träumen Sie, es in 10 Jahren zu machen?

Ich glaube, dass 10 Jahre als Zeitraum zu lange gedacht sind. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Dinge sich so schnell ändern, dass das, was ich mir heute wünsche in 10 Jahren sicher nicht mehr von Relevanz ist. Oder um John Lennon zu zitieren: „Life is what happens to you while you are busy making other plans“.

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Epilog:
Zur Veröffentlichung ihres o.g. Buches, dass Martin Meyer-Gossner, der vor kurzem ebenfalls Interviewgast der 99-Köpfe-Reihe war, ausführlich rezensiert hat, gab Vanessa Fox das folgende, interessante Interview:

 

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