Jura-Professor warnt Unternehmen vor Facebook… und hat unrecht!

Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster sorgt zur Zeit für so manches Kopfschütteln. Behauptet er doch allen ernstes im Deutschen AnwaltSpiegel (bezeichnender Weise ein „Online“ -Magazin für Recht, Wirtschaft und Steuern, dass es aber lediglich als PDF  [Update:] nicht mehr zum Download gibt <sigh!>):

Der Rat des Juristen kann nur sein, Facebook zu meiden. Unternehmen haben dort nichts zu suchen; denn ihre Geschäftsinteressen beißen sich regelmäßig mit den Besonderheiten des Web2.0 und den dort gängigen in- teraktiv-privaten Umgangswünschen.

Jetzt ist es nicht gerade so, dass es hinsichtlich Facebook an der einen oder andere rechtlichen Problematik fehlen würde, etwa dem fehlenden Impressum oder ganz allgemein mit dem Datenschutz. Geschenkt! Leider aber verlässt Professor Hoeren das sichere juristische Parket und bewegt sich auf das Glatteis der Unternehmenskommunikation. Und rutscht mit der Aussage „denn ihre Geschäftsinteressen beißen sich regelmäßig mit den Besonderheiten des Web 2.0…“ spektakulär aus.

Lassen Sie es mich ganz klar und deutlich sagen: Wenn die Zielgruppe eines Unternehmens sich auf Facebook befindet, dann würde das Unternehmen einen Fehler machen dort nicht präsent zu sein. Das ist doch geradezu das Grundprinzip von Kommunikation, Marketing, Werbung und PR!

Ich erspare mir weitere Lamentiererei zum besagten Artikel und verweise hiermit auf den lesenswerten Beitrag der Rechtsanwältin Nina Diercks sowie das eher humoristische, aber nicht weniger wahre, Postig von Frank Tentler.

Wobei, eine weitere Äusserung kann ich mir dann doch nicht verkneifen. So schreibt Professor Höering:

Vor dem Gang in die Welt von Zuckerberg sollte man sich vergewissern, welche Vorsteinstellungen zur Privacy dort existieren und diese erst einmal grundlegend auf „Total Privat“ stellen. Erst dann kann man experimentieren (ggf. mit falschem Namen und falschem Bild).

Vorsicht! Nach meiner bescheidenen Meinung würde das gleich dreimal gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook verstossen, in denen es eindeutig unter Punkt 4 „Registrierung und Kontosicherheit“ heißt:

1. Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen oder ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderes erstellen.

sowie

2. Du wirst nur ein persönliches Profil erstellen.

und schließlich

7. Deine Kontaktinformationen sind korrekt und du wirst sie auf dem neuesten Stand halten.

Meine klare Empfehlung (und das ist die eines Laien!) lautet ganz klar: Verstossen Sie lieber nicht gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook!

Update: Prof. Dr. Thomas Hoeren sieht sich übrigens nach wie vor im Recht, auch wenn das im verlinkten W&V Artikel am Ende zitierte Volksbank-Beispiel nichts mit juristischen Gründen, sondern mit gesundem Menschenverstand zu tu hat.

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One Comment

  1. Willkommen im Land der Innovation – Deutschland.
    Das sich ein Professor so weit aus dem Fenster lehnen kann und dabei nicht einmal merkt das er bereits hinaus gefallen ist.

    Die Frage ist ob solche Leute ueberhaupt mitbekommen das sie total daneben liegen.

    Viele Gruesse aus dem Silicon Valley

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