99 Köpfe des Social Web: Tobias Glawe, Informationsdesigner

Für die 3. Folge der Interview-Reihe “99 Köpfe des Social Web” hat uns Tobias Glawe aus Hannover offen Rede und Antwort gestanden. Er ist als freier Informationsdesigner und User Centered Design (UCD) Consultant tätig und betreut dabei mit Schwerpunkt User Research überwiegend Unternehmen aus den Bereichen SaaS, RIAs und E-Commerce. [UPDATE 23.06.] Tobias organsiert daneben das bemerkenswerte BarCamp Hannover – in 2011 findet es vom 27. bis 28. August statt.

Hallo…
Hallo – es war nett [auf der re:publica – d.R.], mal wieder zu plaudern. Das müssen wir bitte bei Gelegenheit wiederholen.

Gern. – Wann haben Sie zuletzt etwas handschriftlich verfasst?
Ich habe eigentlich ständig mein DIN-A5-Notizbüchlein (das mit dem festen, schwarzen Einband) und wenigstens zwei Stifte (grau und schwarz, zum Schreiben und zum Scribbeln) dabei. Zwar nutze ich diese Aufzeichnungen fast ausschließlich für mich selbst, aber ich denke das zählt auch.

Wie sind Sie zum Social Web gekommen: Gibt es ein Schlüsselerlebnis?
Wie bei wohl vielen anderen, hat es auch bei mir mit einem Blog begonnen, wenn auch nur sehr sporadisch betrieben. Außerdem habe ich eigentlich mehr die Herausforderung in technischer Hinsicht mit dem Textpattern-System gesucht. Im März 2007 wurde ich dann auf einer Veranstaltung im Rahmen der CeBIT auf Twitter aufmerksam. Das Konzept von Twitter faszinierte und begeisterte mich auf Anhieb – Liebe auf den ersten Blick quasi. Also ein Schlüsselerlebnis.

Was ist der nächste große Trend im Internet, besonders in sozialen Netzen?
Geteilter audiovisueller Content, Wobei ich hier nicht an Piraterie denke. Ein Trend könnte das gemeinsame erarbeiten von Videos- und/oder Audio-Inhalten werden. Ein Nutzer stellt seine Daten zur Verfügung (z.B. unter CCL) und andere Nutzer der Plattform erarbeiten durch Mixen und Schneiden daraus neues Material oder fügen selbst eigene Schnipsel hinzu. Bei Textinhalten funktioniert dieses Konzept. Warum also nicht bei audiovisuellen Medien? So eine Plattform würde mir persönlich auch gefallen.

Welche 3 Plattformen und Werkzeuge sind heute besonders empfehlenswert und nützlich für Kommunikationszwecke?
Zugegeben, in dieser Hinsicht bin ich wohl etwas konservativ:
1. E-Mail: relativ zuverlässig, bequem, einsteigerfreundlich, einfach zu benutzen und plattformübergreifend. Man sollte sich lediglich an ein paar Konventionen halten. Was will man denn mehr 🙂
2. EtherPad (wie in Google Docs oder simpler…): Hat sich mittlerweile in vielen Projekten sehr bewährt. Sicherlich nicht so nachhaltig und praktisch wie ein Wiki, aber dafür zumindest im Live-Einsatz unglaublich praktisch. An dieser Stelle würde ich gerne Google Wave über den grünen Klee loben, aber niemand außerhalb des Campus kann wohl voraussagen, wie lange und vor allem in welcher Form es Wave noch geben wird.
3. Weblog: Vielseitig für unterschiedlichste Zwecke nutzbar, schnell einzurichten, einfach zu bedienen, variabel anzupassen. Für mich eines der wichtigsten Werkzeuge, auch wenn ich es teilweise für andere Dinge (z.B. Projektdokumentationen) zweckentfremde. Aber genau das ist eine der größten Stärken von WordPress, Textpattern und Co.

Was geht besser offline – wovon raten Sie dringend ab, es über Angebote und Möglichkeiten im sozialen Netz zu tun?
Auch in dieser Hinsicht bin ich vielleicht eher konservativ eingestellt, aber individuell sehe ich Schwierigkeiten bei Verhandlungen, Meetings, Workshops, etc. die über rationale Entscheidungsprozesse hinausgehen und auch emotionale Aspekte bzw. Softskills erfordern. Einfache Entscheidungen, Fragen oder Abstimmungen lassen sich auch über den digitalen Weg  regeln, aber darüber hinaus führt kein Weg über das Gespräche von Angesicht zu Angesicht vorbei. VoIP- und Video-Dienste, Telefonkonferenzen, oder was auch immer eingeschlossen.

Welchen inhaltlichen Angebote im Social Web können Sie besonders empfehlen?
Ähm ja, genau! Ich umschiffe die Frage einmal möglichst unbemerkt und hoffentlich elegant: Da niemand bekanntlich alles lesen, hören und sehen kann, sucht man sich seine Interessengebiete aus jenen Quellen, die einem ergiebig erscheinen oder sich als wertvoll erwiesen haben. Und da gibt es viele Möglichkeiten: Google Reader (oder alles Andere, das mit RSS oder Atom gut zurecht kommt) ist aber immer eine gute Basis als Aggregator. Quellen gibt es mehr als genug. In meinem Fall sind es ca. 130 Weblogs und via Feed abonnierte Themenkanäle oder Tags aus StumbleUpon, Mento und zootool.

Ich lese also bin ich: Gibt es zudem ein (Fach-)Buch, was Ihnen zuletzt gut gefallen hat?
Gerade angefangen zu lesen und ich bin bereits nach gut und gerne 40 Seiten sehr positiv angetan: „Meconomy“ von Markus Albers.
Albers beschreibt die Anschauung, sich selbst mit einer anderen Form als des althergebrachten 9 to 5 Jobs zu beschäftigen, mobiler und flexibler zu sein – in einem durchaus positiven Sinn.

Wovon träumen Sie, es in 10 Jahren zu machen?
Das mit dem „irgendwo in der Karibik Ruderboote bauen“ habe ich zwar schon einmal erwähnt, aber das erscheint mir immer noch sehr verlockend.

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In Vorbereitung: “99 Köpfe des Social Web”Michael Hülskötter, Tech- und Pro-Blogger

Bereits in dieser Interview-Reihe veröffentlicht:
Folge 1 – Bianca Gade, netmedia (09.05.2011)
Folge 2 – Stefan Kölle, stellenanzeigen.de (13.05.2011)

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