Ärgerlich: Von falschen Begriffen und Übersetzungen auf Facebook

Seit es für Facebook eine deutsche Benutzeroberfläche gibt, ärgere ich mich über den Begriff „Freund“. Warum? Ganz einfach: Im Deutschen ist der Freund eine Person, die einem sehr nahe steht. Im Englischen ist der Begriff „friend“ hingegen viel weiter gefasst. Er kann auch der bzw. die „Bekannte“ heißen (siehe auch hier). Also jemand den man einfach nur kennt.

Nimmt man noch den kulturellen Background der USA dazu, dann kann ein „friend“ auch jemand sein, den man irgendwann einmal flüchtig kennen gelernt hat. Ich selbst habe es mehrfach erlebt, dass Leute, die ich gerade eben kennen gelernt habe, mit „This is Richard, a friend of mine“ vorgestellt haben. Zwar gibt es für den „Bekannten“ auch das Wort acquaintance, doch das wird kaum verwendet. Und schon der „gemeinsame Bekannte“ ist wiederum der „mutual friend“.

Ärgerlich ist diese schlampige Übersetzung von Facebook, weil sie zu falschen Erwartungen bei den Anwendern führt und Kritikern eine Angriffsfläche bietet, die es eigentlich nicht gibt. Gerne wird dann über angebliche „Facebook-Freunde“ gewitzelt (wegen der Doppeldeutigkeit übrigens auch im englischsprachigen Raum). So machte vor kurzem die Headline „Was Guttenbergs Facebook-Freunde wert sind“ die Runde, weil der umstrittene Politiker zwar auf Facebook viel Rückhalt erfahren hat, aber kaum jemand zu Pro-Guttenberg-Demos gegangen ist. Dabei ist der Begriff „Freunde“ hier in doppelter Hinsicht falsch:

  1. Weil sich keiner der Unterstützer von KTzG als „Freund“ bezeichnen würde, nur weil er dem umstrittenen (Ex-)Politiker auf Facebook folgt.
  2. Weil es sich streng genommen noch nicht einmal um Facebook-Freunde handelt, sondern um Anwender, die auf einen „Gefällt mir“ oder „Like“-Button geklickt haben. Lediglich Anwender, die dem Personen-Profil von KTzG folgen sind wirklich Facebook-Freunde. Doch das waren die wenigsten.

Und damit sind wir bei der zweiten Facebook-Schlamperei, die mich und viel andere masslos ärgert. Sobald ich eine Facebook-Seite abonnieren will, sprich ihrer Timeline folgen möchte, muss ich sie „mögen“, also auf „Gefällt mir“ klicken. Diese Sympathiebekundung möchte ich den meisten Seiten aber gar nicht geben! Zwei ganz aktuelle Beispiele:

  1. Angesichts der Atom-Katastrophe in Japan möchte ich mich zeitnah und authentisch über die neusten Entwicklungen am Fukushima-Kernkraftwerk informieren. Eine von mehreren Quellen (wir wollen ja alle Seiten hören) ist die Facebook-Seite der IAEA (International Atomic Energy Agency). Aber ehrlich, ich sträube mich hier auf „Gefällt mir“ zu klicken, denn es handelt sich um eine Organisation mit deren politischen Zielen ich nicht übereinstimme. Deshalb möchte ich keineswegs in meinem Profil stehen haben „Richard gefällt IAEA“.
  2. Viele Facebook-Seiten-Betreiber suchen ihr Heil in Preisausschreiben. Ein vollkommen blödsinniges, weil zum einen nicht nachhaltig wirkendes und zum anderen der Idee von Social Media zuwiderlaufendes Unterfangen (mehr dazu in einem späteren Posting). Aber gut, es ist nun mal so und auch ich möchte bei so einem Preisauschreiben hin- und wieder teilnehmen. Jüngstes Beispiel: Bauknecht. Dort gibt es eine supermoderne High-end Waschmaschine zu gewinnen, die unserem Waschkeller gut zu Gesicht stehen würde. Aber: Teilnehmen kann man logischerweise erst, wenn man auf „Gefällt mir“ geklickt hat. Auch wenn mir der altehrwürdige Weisse-Ware-Hersteller durchaus sympathisch ist, wirklich gefallen kann einem solch ein Konzern nicht. Oder?
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