Der große Xing-Nachschlag

Heute im Laufe des Nachmittags sind die gestern angekündigten, interaktiven Funktionen von Xing online gegangen. Bemerkenswert ist allerdings, dass es offenbar eine relativ große Zahl von Nutzern gibt, die die Neuerungen rundweg ablehnen. Das Xing-Forum jedenfalls füllte sich im Laufe des Nachmittags in beängstigendem Tempo mit entsprechenden Kommentaren. Diese reichen von „Es nervt nur noch! Was soll diese Startseite???“ über „unmittelbare Interaktion mit meinem Netzwerk,.. die betreibe ich NICHT öffentlich über meine Statusmeldungen sondern per PN“ bis hin zu „M A C H T _ D A S _ W E G ! ! !„.

Allerdings bleibt festzustellen, dass es im Grunde genommen um zwei, wenn nicht drei verschiedene Aspekte geht. Da wäre zum einen das etwas zu groß und ausufernd geratene Design mit seinen Weißflächen, die nicht vorhandene Möglichkeit, den News-Feed (der seinem Namen noch nie gerecht wurde) auszublenden, vor allem aber das grundsätzliche Hinzufügen von interaktiven Elementen. So wird des öfteren die „Facebook-isierung“ bemängelt und gefragt, wann denn etwa das „Gruscheln“ (Funktion zum Ausdruck sozialer Nähe, wie in StudiVZ, oder Anstupsen bei Facebook) eingeführt wird.

Die Ablehnung sagt dabei mehr über die Xing-Nutzer aus, als über Xing selbst: Offenbar gibt es viele Nutzer, die weder mit Status-Meldungen, noch mit den Interaktions- und Dialog-Errungenschaften von Social Media etwas anfangen können,  noch wollen. Ihnen erscheint eine digitale Vernetzung durch gegenseitigen Austausch von Kontaktdaten eher unangenehm, ihre Vorstellung über Interaktion in sozialen Medien scheint angesichts der fortlaufenden Entwicklung stehen geblieben zu sein.

Um uns selbst ein Bild Pro & Contra der neuen Änderungen zu machen, haben wir kurzerhand eine Twtpoll-Umfrage via Twitter eingerichtet. Hier sind die aktuellen Ergebnisse:

 

Darüber kann man sich freuen, ärgern oder nur wundern. Aus Agentursicht ist das Ergebnis eigentlich erfreulich, denn es wird bestätigt, was wir schon immer geahnt haben: Auf Xing erwischt man (natürlich nicht nur) die eher konservativen Nutzer, also Menschen, die dem Social Web gegenüber eher ablehnend gegenüber stehen. So weit so gut.

Weitgehend unbemerkt blieb eine andere Neuerung: Der Xing-Linkverkürzer, der ein ungewohntes, bisweilen lästiges Verhalten an den Tag legt. Beim Klick auf eine verkürzte Web-Adresse öffnet sich entweder ein kleines Dialogfeld (In neuem Fenster öffnen?) oder man wird auf eine Warnseite geleitet:

Geschuldet ist dieses etwas umständliche „Feature“ vermutlich den offenbar reichlich vorhandenen, nicht sehr netzaffinen Usern. – Oder ist es nur übertriebene Vorsicht?

Was Xing allerdings nicht angepackt hat, ist das Netzwerk anderen Web-2.0-Diensten gegenüber zu öffnen. Weder lassen sich eigene Inhalte via RSS auf das eigene Profil leiten, noch die Statusmeldungen aus dem Twitter-Feed füttern. Hier ist der Mitbewerber LinkedIn mit seinen Funktionen zur Integration von Twitter nach diversen Ausbaustufen weiter.

Was bleibt noch? Ganz klar, die aktualisierten Zahlen. Auszug aus der entsprechenden Pressemitteilung: „Per 31.12.2010 hatte XING weltweit 10,5 Mio. Mitglieder, davon 4,5 Mio. im deutschsprachigen Raum. Die Anzahl der beitragszahlenden Premium-Mitglieder betrug zum selben Zeitpunkt 745.000, das sind 8% mehr als im Jahr davor.

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2 Comments

  1. Mein Fazit nach dem ersten Tag:
    1. Viele haben XING schon als zu starr abgeschrieben und sich auf FB focussiert
    2. hat es nun Features wie FB aber noch nicht die ‚Gefälligkeit‘ – bereits monierte Weißflächen etc.
    3. ist für mich noch eine Beta-Version (Methode von Microsoft kopiert), wie die Mitglieder das annehmen, aber zum Finale fehlt noch einiges: aber wenn – dann warum nicht?
    4. der Mensch ist naturgemäß eine mehr oder weniger träge Masse (pysikalisch gesehen) und jede Veränderung ist erst mal ein unleidiges Thema.
    Insofern: wait and see und so wie es war konnte es auch nicht bleiben

  2. Wie recht Sie haben, Frau Wüst! Wobei es mich immer wieder überrascht, wie unwohl sich so mancher in einem eher „konservativen“ sozialen Netzwerk wie Xing fühlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele „Normaluser“ Hemmungen haben überhaupt ein Profilfoto hoch zu laden, geschweige denn beispielsweise vollständige Kontaktdaten anzugeben. Da ist Facebook mit seiner Offenheit und Dialogorientierung für viele noch in sehr weiter Ferne.

    Für uns als PR/Kommunikations/Social-Media-Agenturen stellt sich deshalb die Frage, wie wir diese Personen abholen können?

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