Appetit auf frische Kommunikation 2.0

Ein kurzer Blick in die Kommunikationsküchen genügt: Im Nebel dampfender Web 2.0-Kochtöpfe wird eifrig geschnippelt und gerührt. Am Social Web Wok, dem Anlaufpunkt kommunikativer Culinaria, tummeln sich zahlreiche – warum eigentlich nicht – selbsternannte Experten. Dazwischen drängeln sich lautstark eine Reihe Platzhirsche – Agentur-Mitarbeiter aus Public Relations, Direkt- und Viralmarketing und Werbung, die mitunter irritiert darauf reagieren, dass die frischen Macher eifrig mitmischen.

Weiter versalzen oder anständig pfeffern?

Immerhin ist das Verlangen nach ewig vor sich brutzelnder Info-Hausmannskost, wie sie den Stammgästen seit jeher kredenzt wird, gering und sinkt weiter. Die Ursachen dafür? Ein Blick ins Restaurant zeigt: Nicht erst seit gestern sitzt eine ganz neue, hungrige Klientel an der großen Tafel des Informationsaustausch.

Dennoch erstaunt, dass für manche Spitzenköche, die mit Tunnelblick trotz Erfahrungen weiter schmoren und dämpfen – die Situation über die hereinstürmenden, neuen Gäste weiter völlig fremd zu sein scheint. Reaktion am Gewürzregal der Informationsvermittlung und des Spin Doctoring: Häufig Fehlanzeige. Infomappe und Pressekonferenz sind beständig im Tagesmenü. Pressemitteilungen wirken ein wenig wie die Sättigungsbeilagen, besonders zu geschäftlichen Highlights der Kunden wie Messen und saisonalen Sales-Feiertagen.

Dabei sind die Erwartungen am Tisch des Klienten hoch, schließlich wächst die Schar derjenigen, die bedient werden möchten. Der Ruf ist unüberhörbar nach frischem, integriertem Fusion Food, auch gemessen am Zulauf der Social Media-Verkostungen, sinnbildlich für BarCamp, Social Media Week oder Web Monday. Jedenfalls sind Unternehmensvertreter inzwischen nicht mehr bloß als neugierige Zaungäste anwesend.

Reif für Sterne-Kommunikation

Natürlich steht im Vordergrund, möglichst viele Anhänger für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Viel lieber sind aber doch richtige, weil regelmäßige Gäste an den Tischen. Oder, was letztlich noch besser wirkt, Fürsprecher – überzeugte Evangelisten also, die einem globalen fusion cooking gegenüber aufgeschlossen sind, dabei gern auch offen und kritisch die Speisekarte durchprobieren.

Dem Kommunikator ist Zuspruch sicher, wenn er es wagt, sein Talent in der offenen Showküche einzusetzen und Gäste gemäß deren Wünschen zu bedienen – nichts anderes also, als bei Facebook, YouTube oder anderen Social Media-Plattform passende Inhalte bereitzustellen. Es eröffnet die Chance, dass beide Seiten auf einen Nenner kommen.

Ein Momentum, Kommunikation 2.0 wirksam zu etablieren sowie positive Aufmerksamkeit im Social Web zu generieren, bedeutet, die anvisierten Nutzer von Interessierten zu Missionaren zu wandeln. Erforderlich ist eine Konzeption, ein vereinbartes Schema, ein Plan, um die Einstellungen über die Marke oder das Unternehmen zu verändern, egal, ob beim Kunden oder in der Öffentlichkeit. Das eine wirkt auf das andere. Signifikant erfolgreich wirkt hierbei, etwas zu gestalten, das konsistent und langfristig wertvoll ist.

Bei allem Engagement in Social Media – intern wie extern – kann die anfängliche Wirkung rasch verpuffen. Ad-hoc-Erfolge sind erfreulich, allerdings ohne weiteres Engagement kaum etwas wert. Sofern nicht inhaltlich nachgehalten wird, verschwindet die Zuwendung und der Buzz rund um die eigenen Themen.

Wesentlich wichtiger ist generell die Glaubwürdigkeit einer Kommunikation, auch indem sie weiterentwickelt und richtig positioniert wird. Im übertragenen Sinn erscheint es überlegenswert, lediglich einen Agentur-Stehimbiss 2.0 zu betreiben, der zwar frequentiert wird und dessen Angebot satt macht, jedoch Geschmack, Vielfalt und Ausbau vermissen lässt.

Oder ein abwechslungsreiches, qualitativ hochwertiges und überraschendes Angebot in passendem Social Web Ambiente – für begeisterte Social Web Gäste.

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